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Sensibilisierung der Belegschaft

Situation

Das Thema „Pflege“ stößt nicht selten auf Desinteresse oder Ablehnung, wenn man von dem Thema (noch) nicht selbst betroffen ist. Es kann passieren, dass pflegende Beschäftigte von ihren Kollegen nur wenig Anteilnahme oder Verständnis für ihre besondere Belastung erfahren. Als Folge werden vom Unternehmen angebotene Maßnahmen nur selten in Anspruch genommen – und wenn, dann nur mit schlechtem Gewissen und dem Gefühl, sich rechtfertigen zu müssen.

Maßnahme

Eine Unternehmenskultur, in der die Pflege von Angehörigen ernst genommen wird und diese Aufgabe Anerkennung findet, kann systematisch gefördert werden. Hierzu trägt die kontinuierliche Kommunikation des Themas bei. Ein besonders deutliches Signal ist es, wenn sich Mitglieder der Unternehmensleitung des Themas persönlich annehmen, bei Veranstaltungen oder Mitarbeiterinformationen entsprechend darauf eingehen oder Maßnahmen selbst in Anspruch nehmen. Maßnahmen zur Vereinbarkeit von Beruf und Pflege sollten zudem nicht als Sozialleistungen, sondern als moderne Personalstrategie mit Auswirkungen auf den Unternehmenserfolg kommuniziert werden.

Fazit

Der Erfolg der Maßnahmen zur Vereinbarkeit von Berufstätigkeit und Pflege hängt wesentlich von einer Unternehmenskultur ab, die Rücksicht auf Probleme der Beschäftigten mit der Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben nimmt. Gerade bei Maßnahmen, die direkte Auswirkungen auf Arbeitsabläufe und damit auf Vorgesetzte und Kolleginnen und Kollegen haben, ist es wichtig, dass Pflegepersonen Anerkennung entgegengebracht wird. Hinzu kommt, dass – anders als die Betreuung und Erziehung von Kindern – Pflege, an deren Ende der Tod des Pflegebedürftigen steht, zumindest in der Tendenz eher tabuisiert wird. Nur in einer offenen Unternehmenskultur werden Pflegende überhaupt bereit sein, auf ihre persönliche Situation aufmerksam zu machen, Bedarfe zu äußern und Maßnahmen in Anspruch zu nehmen.

Tipp

Eine Notfallmappe, die ähnlich aufgebaut ist und wie hier beschrieben genutzt werden kann, wurde vom Hessischen Ministerium für Soziales und Integration und der Landesseniorenvertretung Hessen herausgegeben und kann bestellt werden unter: publikationen@hsm.hessen.de

Praxisbeispiel

AOK Hessen

Information und Kommunikation: Notfallmappe „Gerüstet für den Ernstfall“ – Präventiv die Auseinandersetzung mit „Beruf und Pflege“ fördern
Führung: Vereinbarkeit von Beruf und Pflege als fester Bestandteil der Qualifizierungsmaßnahmen für neue Führungskräfte
Service für Pflegende: Entlastung durch umfassende Serviceleistungen für Beschäftigte mit Pflegeaufgaben