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AOK_Ulrich Lamm

Es ist an der Zeit, dass sich auch die Arbeitgeber gemeinsam mit den Beschäftigten noch stärker um das Thema Pflege kümmern und die Vereinbarkeit von Beruf und Pflege stärken. Hiervon profitieren die Beschäftigten und das Unternehmen. Dieses Investment ist ökonomisch klug, menschlich, familienfreundlich und vernünftig.

Detlef Lamm
Vorsitzender des Vorstandes der AOK – Die Gesundheitskasse in Hessen

AOK Hessen

Ort: Bad Homburg
Branche: Gesundheitswesen/Versicherung
Mitarbeiterzahl: 3.600
AOK

AOK Hessen Beratungsgespräch

Kerngeschäft Krankenversicherung

Praxisbeispiel Information und Kommunikation

Damit sich nicht nur Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit akutem Pflegebedarf von der Thematik angesprochen fühlen und um präventiv die Auseinandersetzung zu fördern, bietet die AOK Hessen ihren Beschäftigten unter dem Titel „Gerüstet für den Ernstfall“ eine personalisierte Notfallmappe an. Sie enthält unter anderem wichtige Telefonnummern und persönliche Daten, wie Vollmachten und Verfügungen.

Vorsorgedaten zu Versicherungen und Finanzen können hinterlegt werden. Formulare und Vordrucke sind ebenfalls bei gefügt. Die Notfallmappe kann bei der Personalabteilung angefordert werden und wird namentlich ausgestellt. Bereits die erste Kommunikation des Angebots löste eine hohe Nachfrage aus.

Die Notfallmappe trug in Folge dazu bei, dass die internen Serviceleistungen für pflegende Beschäftigte der AOK Hessen unternehmensweit einen hohen Bekanntheitsgrad erzielten und die Aufmerksamkeit für das Thema stieg. Es wurde erreicht, dass Beschäftigte mit Pflegeaufgaben sich leichter tun, ihre Situation anzusprechen, dass die Vereinbarkeit von Beruf und Pflege als gleichrangig mit Kinderbetreuungsaufgaben gesehen wird.

Praxisbeispiel Führung

Damit neue Führungskräfte von Anfang an umfassend über die vielfältigen Serviceleistungen der AOK Hessen rund um die Vereinbarkeit von Beruf und Pflege informiert sind, die betriebswirtschaftliche Relevanz des Themas erkennen und ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter optimal unterstützen können, ist die Vereinbarkeit von Beruf und Pflege fester Bestandteil der verpflichtenden Schulungsmaßnahmen für neue Führungskräfte.

Thematisch wurden die Inhalte in das eintägige Modul „Diversity Management“ integriert. Hierzu gehören die unterstützenden Angebote seitens des Unternehmens, aber auch die betriebswirtschaftlichen Aspekte mangelnder Vereinbarkeit von Beruf und Familie.

Prognosen bezogen auf die Altersstruktur im Unternehmen zeigen, dass aufgrund des demographischen Wandels immer häufiger jüngere Führungskräfte erfahrene Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter führen werden. Deshalb ist es wichtig, rechtzeitig auf diesen Aspekt der Führungsaufgabe vorzubereiten.

Aufgrund der positiven Erfahrungen bei der Führungskräftequalifi zierung wird die beschriebene Maßnahme nun ebenfalls bei den Bachelor-Studierenden der AOK Hessen umgesetzt, aus denen sich Führungskräfte und Spezialisten überwiegend rekrutieren.

Praxisbeispiel Service für Pflegende

Aufgrund der Beschäftigtenstruktur hat die AOK Hessen früh erkannt, dass die Pflegeverpflichtungen der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zunehmen. Deshalb hat das Unternehmen die bereits vorhandenen Unterstützungsmöglichkeiten, wie flexible Arbeitszeitmodelle, reduzierte Vollzeit für Führungskräfte, das Arbeiten an flexiblen Arbeitsorten oder die Inanspruchnahme der gesetzlichen Regelungen, durch konkrete Serviceleistungen ergänzt.

Diese werden durch qualifizierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Personalabteilung angeboten. Der Service „Beruf und Pflege“ bietet Informationen, individuelle Beratung und Entscheidungshilfe für Beschäftigte. Bei Bedarf kann über einen Kooperationspartner ambulante Hilfe oder ein Pflegeplatz vermittelt werden. So stellte eine Mitarbeiterin, die ihre alleinlebende demente Mutter betreute, nach mehreren Beratungsgesprächen für sich fest, dass sie die Versorgung und Pflege auch aus gesundheitlichen Gründen nicht dauerhaft selbst leisten kann. Mehrere Heimvorschläge wurden unterbreitet.

Es gelang, die Mutter zum Umzug zu motivieren und diesen positiv zu gestalten. Die Mitarbeiterin erfuhr eine deutliche Entlastung, die eigene Gesundheit verbesserte sich. Mit Hilfe der Servicestelle konnte eine für alle Beteiligten tragfähige Lösung zur Vereinbarkeit von Beruf und Pflege gefunden werden. Beschäftigten, die Angehörige zu Hause pflegen, wird an mehreren Standorten gemeinsam mit anderen Arbeitgebern ein Kompetenztraining angeboten.